Die Unterschiede zwischen den Messverfahren verstehen
Ein Leuchtendatenblatt wirbt mit 160 lm/W. Der Lichtplaner vertraut dieser Angabe, berechnet 16 Leuchten für 500 Lux auf der Arbeitsfläche und gibt die Spezifikation frei. Das Projekt wird umgesetzt. Der Bauherr misst mit einem Luxmeter — und erhält nur 380 Lux.
Was ist passiert? Der Lieferant hat die Effizienz auf Grundlage eines Tests in einer Ulbrichtkugel angegeben. Die tatsächliche Leuchteneffizienz — gemessen mit einem Goniophotometer unter Bedingungen, die der realen Installation entsprechen — beträgt nur 128 lm/W. Das Projekt ist 25% unterbelichtet.
Ulbrichtkugel: Was sie tatsächlich misst
Eine Ulbrichtkugel ist eine Hohlkugel (typisch 1–3 Meter Durchmesser), deren Innenfläche mit Bariumsulfat oder PTFE beschichtet ist. Eine Leuchte im Inneren emittiert Licht, das wiederholt reflektiert wird, bis ein räumlich gleichmäßiges Strahlungsfeld entsteht.
Primäre Messgrößen:
- Farbtemperatur (CCT) — bestätigt, dass die Leuchte tatsächlich 4000K liefert
- Farbwiedergabeindex (CRI/Ra) — einschließlich R9 für gesättigte Rottöne
- Farbortkoordinaten und MacAdam-Ellipse
- Spektrale Leistungsverteilung (SPD)
- Gesamtlichtstrom (Lumen) — erfasst ALLE Photonen in jeder Richtung
Die Lumen-Falle der Ulbrichtkugel
Das Problem: Eine Ulbrichtkugel erfasst ALLES Licht — auch Licht, das in einer realen Installation niemals eine nutzbare Oberfläche erreichen würde.
- Licht, das auf die Rückseite des Leuchtengehäuses trifft und zurückreflektiert wird
- Licht, das im Reflektor eingeschlossen bleibt und die Öffnung nie verlässt
- Streulicht von Treiber-LEDs
- Licht in extremen Winkeln (>85°), das in der Praxis die Decke statt der Arbeitsfläche trifft
Praxisbeispiel:
Ein Strahler mit 24° Abstrahlwinkel erreicht in der Ulbrichtkugel einen Messwert von 4.100 Lumen. Dasselbe Gerät liefert im Goniophotometer — das nur das Licht misst, das das optische System tatsächlich verlässt — 3.200 Lumen. Das entspricht einer Überhöhung um 28%. Der Lieferant gibt dennoch „4.100 lm“ im Datenblatt an.
Warum Lieferanten Daten aus der Ulbrichtkugel bevorzugen
| Ulbrichtkugel | Goniophotometer | |
|---|---|---|
| Gerätekosten | €20k–80k | €150k–500k |
| Testzeit pro Leuchte | Sekunden | 20–60 Minuten |
| Lumen-Ergebnis | Höher (überhöht) | Niedriger (realistisch) |
| Erzeugt IES/LDT-Dateien | Nein | Ja |
Die Versuchung liegt auf der Hand: Die Messung erfolgt in der kostengünstigen, schnellen Ulbrichtkugel. Das Ergebnis sind höhere lm/W-Werte, die anschließend im Datenblatt angegeben werden. Höhere lm/W auf dem Papier verbessern die Chancen bei Ausschreibungen. Der Kunde erkennt die tatsächliche Leistung erst nach der Installation.
Goniophotometer (Dunkelraum): Der aussagekräftige Leistungstest
Ein Goniophotometer misst in einem vollständig abgedunkelten Raum die Lichtstärke an Tausenden von Punkten rund um eine Leuchte.
Was es misst:
- Lichtstärke in jedem Winkel (cd-Werte über eine vollständige Messkugel)
- Tatsächlicher Leuchtenlichtstrom (nur Licht, das die Optik tatsächlich verlässt)
- Abstrahlwinkel
- System-Lichtausbeute (Nutzleistung ÷ Eingangsleistung = tatsächliche lm/W)
Welche Daten es erzeugt:
- IES-Dateien (.ies) — Standard in Nordamerika
- LDT/EULUMDAT-Dateien (.ldt) — Standard in Europa
- Polardiagramme und UGR-Tabellen
Wie Sie sich als Planer absichern
- Fordern Sie lm/W aus einem Goniophotometer-Bericht an — nicht aus einer Kugelmessung
- Prüfen Sie die IES/LDT-Datei: Vergleichen Sie den Lichtstrom im Datei-Header mit der Angabe im Datenblatt
- Fragen Sie nach dem Prüflabor — akkreditierte Labore (TÜV, Intertek) prüfen nach ISO/CIE-Standards
- Wenn keine IES/LDT-Datei vorliegt — hat der Lieferant wahrscheinlich keinen Dunkelraumtest durchgeführt
- Bestehen Sie auf konsistenten Angaben — Datenblatt-Lumen = Photometrie-Datei-Lumen. Ohne Ausnahmen.
Das Dual-Test-Protokoll von YNDLUX
Jede Leuchte von YNDLUX durchläuft beide Tests:
- Ulbrichtkugel: CCT-Toleranz ±100K (SDCM ≤ 3). CRI Ra ≥ 90 wird für jede Charge bestätigt.
- Goniophotometer: Vollständige IES + LDT-Dateien für jede Optikkonfiguration. System-lm/W wird auf Leuchtenebene gemessen.
Unsere Regel: Datenblatt-Lumen = IES/LDT-Lumen = das, was Ihr Luxmeter vor Ort misst. Ein Wert, dreifach verifiziert.



